Weiterbildung der Zukunft – Ein Interview mit dem DSGV

mit Sabine Koch & Dr. Michael Thaler vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband

Wenn Sie an das Thema Weiterbildung der Zukunft denken: Welche sind aus Ihrer Sicht die relevanten Entwicklungen, die es zu beachten und beobachten gilt?

Eine große Rolle spielen sicherlich die Erneuerungszyklen, die in der Weiterbildung immer kürzer werden. Die Halbwertszeit von Wissen sinkt, sodass es in immer kürzeren Zeitabständen aktualisiert werden muss. Auch die Weiterbildungsinhalte müssen viel stärker individualisiert werden, damit wir jeder Zielgruppe genau die richtigen, auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten Inhalte anbieten können. 
Das Thema des Praxistransfers wird uns sicher auch hier weiter stark beschäftigen. 
Denn für das permanente Lernen – und das wird von höchster Relevanz sein – brauchen wir nicht nur die richtigen formalen Formate, sondern gerade die unterschiedlichsten Möglichkeiten des informellen Lernens. Das selbstorganisierte Lernen wird hier eine große Rolle spielen.

Welche Punkte sind dabei speziell für die Sparkassen-Finanzgruppe bzw. die Sparkassen wichtig?

In der Sparkassen-Finanzgruppe versammeln sich rund 375 einzelne Häuser, die alle sowohl eigenständig für sich, aber auch als Teil der Gruppe funktionieren und arbeiten. Neben der Wissensvermittlung in fachlichen und persönlichkeitsbildenden Seminaren und anderen Weiterbildungsformaten, geht es vor allem auch darum, Netzwerke aufzubauen, die sich bei Bedarf aktivieren und nutzen lassen.
Es gibt unterschiedliche Expertisen und Wissensbestandteile, die in den Häusern vorhanden sind. Darin unterscheiden wir uns stark von einem Konzern. Wir probieren unterschiedliche Ansätze aus, um in einem neuen Prozess des Miteinanders von allen Sparkasseninstituten zu profitieren.
Ein anderer, nicht nur für die Sparkassen wichtiger Punkt ist, das langsame Ausscheiden der Babyboomer aus dem Berufsleben. Momentan ist noch viel Erfahrungswissen vorhanden. Dieses Wissen weiterzugeben, wird eine große, aber extrem wichtige Herausforderung, die wir bewältigen müssen. Und genau da schließt sich der Kreis zum informellen Lernen.

Welche Rolle spielt die Digitalisierung in der beruflichen Weiterbildung – heute und in Zukunft?

Digitalisierung ist ein Thema, das in alle Lebens- und Arbeitsbereiche hineinwirkt – natürlich auch in die Weiterbildung. Deshalb sollte man digital fit sein. Digitalisierung spielt aber auch als Medium in der Weiterbildung eine Rolle: in Form von Workplace Trainings, Webinaren über Youtube-Tutorials etc. Synchrones als auch asynchrones Lernen, wie es Kinder während der Corona-Pandemie praktiziert haben, werden ebenso wie Video-Konferenztools in Zukunft eine größere Rolle spielen. 

Welche Herausforderungen sehen Sie in diesem Bereich und wie kann die S-Finanzgruppe diese bewältigen? 

Vorrangig besteht die Herausforderung darin, alle Beschäftigten mitzunehmen – gerade auch die Älteren und diejenigen, die noch nicht so digital affin sind. Bei den digitalen Möglichkeiten gibt es eine rasante Entwicklung – da mitzukommen, ist anspruchsvoll für alle – egal ob jung oder alt. Sich digital fit zu halten, ist deshalb ein wichtiges Thema in der Sparkassen-Finanzgruppe.
Diesen Gedanken wenden wir auf unsere gesamte Bildungsarchitektur an. Mit Regionalakademien und einer eigenen Hochschule, die alle Facetten der Anpassungs- und Aufstiegsweiterbildung für Fach- und Führungskräften abbilden, sind wir sehr gut aufgestellt. Auch in der beruflichen Ausbildung denken wir spätere Aspekte und Anforderungen der beruflichen Tätigkeit von Anfang an mit und bereiten unsere Nachwuchskräfte in den Instituten praxisnah auf die Zeit nach der Ausbildung vor. Wichtig ist, gerade auch auf der Einstellungsebene die Bereitschaft für die Nutzung und sichere Anwendung digitaler Instrumente und Tools zu fördern. Erst dann werden diese selbstverständlich in allen Bereichen erfolgreich eingesetzt und genutzt werden.

Sind die Sparkassen, aber auch die einzelnen Beschäftigten aus Ihrer Sicht gut auf die zukünftige Entwicklung vorbereitet?

Mit Blick auf die gesamte Gruppe sicher ja. In den einzelnen Häusern und Instituten mag es Unterschiede geben, aber insgesamt sehen wir eine stetige und nachhaltige Kompetenzentwicklung. Die Beschäftigten der Sparkassen-Finanzgruppe nehmen die Angebote sehr gut an und sind auch neuen Möglichkeiten gegenüber sehr aufgeschlossen. 
Während der Pandemie konnten wir feststellen, dass Kunden – besonders in dieser Zeit – auf allen Wegen zur Sparkasse kommen und an jeder Stelle Beratung erfahren möchten. Kunden haben gute Erfahrung mit verschiedenen digitalen Wegen gemacht und nutzen seitdem verstärkt diese Möglichkeiten. Wir setzen daher keineswegs auf nur einen Kanal, sondern auf eine große Bandbreite, die von unseren Mitarbeitern auch bespielt wird.
Im Thema New Work und mobilem Arbeiten haben wir bereits viel Neues in der Gruppe ausprobiert und können immer noch besser werden. Mit welchen gemeinschaftlich genutzten Tools wir die Beschäftigten unterstützen werden, hängt auch von der zukünftigen Entwicklung ab.
Was uns während der Corona-Zeit wirklich erstaunt hat, war die Flexibilität dieser großen Sparkassengruppe, die sich sehr von ihrem eher traditionell-konservativen Image unterscheidet. Die Ausnahmesituation hat zudem eine große Offenheit hervorgebracht. Mit den vielen neuen positiven Erfahrungen können wir uns den Fragen junger Mitarbeiter daher sehr gut stellen und unseren Digitalisierungsgrad ausbauen.

In der Arbeitswelt von morgen werden zahlreiche neue Kompetenzen benötigt. Gibt es aus Ihrer Sicht zentrale Kompetenzen, die dabei übergreifend im Fokus stehen? Und wenn ja, wie können diese flächendeckend vermittelt werden? 

Für uns sind vier Kompetenzen besonders wichtig: Die Veränderungskompetenz macht Menschen anpassungsbereit und führt dazu, dass sie Initiative und Gestaltungswillen zeigen. Dank der Fähigkeit zur digitalen Interaktion schaffen Menschen es, mit den richtigen Mitteln ins Gespräch und in Kontakt zu kommen. Beziehungskompetenz ist notwendig, um Beziehungen auch über digitale Medien aufzubauen. Wer über sie verfügt, schafft ein gutes Verhältnis zu Kollegen und Kunden. Und wie wichtig die Befähigung zur Selbstorganisation ist, haben wir nicht zuletzt während der Corona-Pandemie gesehen: Wenn man räumlich autark arbeitet, gilt es Entscheidungen zu treffen, sich verantwortlich zu zeigen und seine Arbeitszeiten zu managen. Diese vier Anforderungen haben wir auch in unseren Auswahlkriterien für Berufseinsteiger aufgenommen. 

Welche Säulen hat die Weiterbildung der Zukunft? Wie können sich die Sparkassen entsprechend aufstellen, um für die Herausforderungen von morgen gut gerüstet zu sein?

Wir rekrutieren stark aus der Ausbildung heraus und betreiben eine nachhaltige Beschäftigungspolitik und Personalentwicklungsarbeit. In der Sparkassen-Finanzgruppe ist der berufliche Weg von der Ausbildung bis zum Vorstand gelebte Realität. Unser Fokus liegt folglich auf einer sehr guten beruflichen Erstausbildung und gezielten Talentförderung. Gleichzeitig fördern wir das lebenslange Lernen. Wir motivieren unsere Nachwuchskräfte, in den weiteren Prozess einzutauchen und eine Spezialisten- oder Führungslaufbahn einzuschlagen. Beide Perspektiven wollen wir dabei gleichrangig interessant gestalten. Zudem gilt es den Erfahrungsaustausch zwischen den Generationen zu organisieren und ein Umfeld zu schaffen, in dem das lebenslange Lernen fest etabliert ist.
Ziel ist es, Mitarbeitenden und Führungskräften gleichermaßen fachlich fundierte Weiterbildungsangebote sowie Formate zur verhaltens- und persönlichkeitsbezogenen Entwicklungsförderung zu bieten. Gerade im Change und in den Transformationsprozessen werden die sozialen Faktoren entscheidend sein. 

Herzlichen Dank für das interessante Gespräch!

 

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