Dr. Thomas Perkmann im Interview

Im Interview spricht Dr. Thomas Perkmann über Transformation, unternehmerischen Mut und Entscheidungen zwischen Daten und Bauchgefühl.

Dr. Thomas Perkmann

Interview mit Dr. Thomas Perkmann | Leading Decisions

Im Interview mit GuideCom spricht Dr. Thomas Perkmann, Vorstandsvorsitzender der Westfalen-Gruppe, über Transformation, unternehmerischen Mut und Entscheidungen zwischen Daten, Erfahrung und Bauchgefühl.  

Herr Dr. Perkmann, ganz direkt gefragt: Wie nimmt man Menschen in großen Transformationen mit?

„Für uns haben zwei Dinge besonders gut funktioniert.

Zum einen haben sich sehr früh die zentralen Entscheidungsträger zusammengefunden – also nicht nur der Vorstand, sondern auch die Eigentümerfamilie und die Top-Führungskräfte. Gemeinsam haben wir uns die Frage gestellt: In welche Richtung wollen wir gehen?

Zum anderen haben wir gemeinsam ein klares Zukunftsbild entwickelt und dieses intensiv mit unseren Mitarbeitenden besprochen. Es ging nicht darum, die Vision einmal zu präsentieren, sondern sie immer wieder im Dialog zu schärfen – mit vielen Teams und in großem Detail. 

Wenn ich heute an unseren Standorten unterwegs bin, greife ich diese Vision immer wieder auf, bespreche offen, was gut funktioniert, wo wir Fortschritte machen und wo es aktuell Herausforderungen gibt.“

Wie wichtig sind Bauchgefühl, Erfahrung und unternehmerischer Mut bei langfristigen Entscheidungen?

„Wir treffen aktuell Entscheidungen mit sehr langen Zeithorizonten. Investitionen amortisieren sich oft erst nach fünf, zehn oder fünfzehn Jahren – gleichzeitig verändern sich Rahmenbedingungen wie Regulierung, Technologien oder Märkte teilweise deutlich schneller.

Das heißt, wir können unsere Entscheidungen nicht alleinig auf objektiven Daten treffen. Es braucht auch unternehmerischen Mut und die Fähigkeit, eine klare Überzeugung zu entwickeln: Welche Technologien werden sich durchsetzen? Welche Geschäftsmodelle sind für unsere Zukunft die richtigen?

Entscheidend ist dann, an diesen Überzeugungen festzuhalten – und sie bei Bedarf anzupassen.“

Wie führt und entscheidet man, wenn ein zentraler Erfolgsfaktor – etwa Regulatorik – außerhalb der eigenen Kontrolle liegt?

„Regulatorik ist grundsätzlich notwendig. Aus meiner Sicht entscheidend ist jedoch, dass sie über längere Zeit hinweg verlässlich bleibt. Was wir in den letzten Jahren – insbesondere in Deutschland – gesehen haben, sind wiederholte Richtungsänderungen. Gesetzliche Rahmenbedingungen wurden mehrfach angepasst und teilweise in unterschiedliche Richtungen verändert.

Das macht es besonders schwierig, langfristige Investitionsentscheidungen zu treffen.“

Ist Regulatorik also eher notwendiger Rahmen oder Transformations-Hemmnis?

„Stabile Regulatorik ist eine wichtige Grundlage. Wenn sich Rahmenbedingungen jedoch ständig verändern, wird sie schnell zum Hemmschuh für Transformation.“

Wie wichtig sind ehrliche, ungefilterte Informationen für Entscheidungsfindung – und wo bekommt man sie her?

„In Spitzenpositionen bekommt man häufig ein leicht verzerrtes Bild: Vieles von dem, was nach oben berichtet wird, ist positiv – häufig werden über Hierarchieebenen hinweg nur die 60-70 % an Informationn weitergegeben, die gut laufen. 

Deshalb ist es wichtig, bewusst andere Perspektiven einzubeziehen. Mit helfen etwa Lernpartnerschaften. Dabei geht es darum, voneinander zu lernen – auch über Generationen hinweg.

 Junge Menchen sehe die Welt anders und haben oft einen anderen Blick auf Themen. Diesen Austausch finde ich sehr bereichernd und er hilft, ein vollständigeres Bild zu bekommen.“

Warum brauchen Entscheidungen neben reinen Daten auch Priorisierung und menschlichen Input?

„Die Menge an verfügbaren Daten ist heute enorm – da fehlt schlicht die Zeit, alle davon täglich selbst zu analysieren. Daher bin ich darauf angewiesen, dass mir relevante Dinge zugetragen werden – auch solche, die nicht gut laufen, wo es andere Meinungen gibt oder wo es Opportunitäten gibt, die wir bisher noch nicht gesehen haben. 

Wichtig ist, bewusst unterschiedliche Perspektiven einzunehmen – sowohl innerhalb des Unternehmens als auch von außen. Es hilft wenig, immer nur mit den gleichen Personen zu sprechen. Gerade der Austausch mit Mitarbeitenden aus anderen Bereichen, Ländern oder Generationen eröffnet oft neue Perspektiven und macht Entscheidungen robuster.“

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Dr. Perkmann!

Management Suite Screen

Für eine erfolgreiche Unternehmensführung

GuideCom Management Suite

  • Digitales, KI-gestütztes Fundament für eine wirkungsvolle Unternehmenssteuerung
  • Vernetzt Strategie, Planung, Entscheidung und Umsetzung datengestützt in einem System
  • Schafft Transparenz, ermöglicht fundierte Entscheidungen und unterstützt eine aktive Zukunftsgestaltung
Zur Management Suite