Marcus Diekmann im Interview

Im Interview spricht Marcus Diekmann über KI, Führung und Entscheidungen – und darüber, wie diese drei Komponenten zusammenspielen.

Marcus Diekmann

Interview mit Marcus Diekmann | Leading Decisions

Im Interview mit GuideCom spricht Marcus Diekmann, Geschäftsführer Sanicare, Unternehmer & Digitalexperte, über KI, Führung und Entscheidungen – und darüber, wie diese drei Komponenten zusammenspielen.

Marcus, sind deutsche Unternehmen – und vor allem ihre Vorstände – gerade eher Treiber der KI-Veränderung oder Getriebene?

„Die große Herausforderung – insbesondere im Mittelstand – ist aktuell, dass viele Unternehmen aus einer gewissen Panik heraus versuchen, KI in die gleiche Vision zu integrieren, die man schon vor 10 oder sogar 50 Jahren hatte. 

Das führt oft dazu, dass man eine Art „Rückwärtsintegration“ betreibt: Man ergänzt bestehende Strategien um KI-Tools, ohne das eigentliche Geschäftsmodell grundsätzlich zu hinterfragen.

Dabei wäre genau das die eigentliche Chance. KI ist eine Einladung, das eigene Geschäftsmodell neu zu denken – mit einer klaren „AI-First“-Perspektive. Das bedeutet, Mensch und Maschine so zu kombinieren, dass echte Effizienzgewinne entstehen.“

Wird KI die Entscheidungsautorität von Vorständen stärken – weil sie bessere Daten haben? Oder schwächen – weil sie sich zunehmend auf Systeme verlassen?

„Wir erleben sowieso schon häufig Entscheidungsunsicherheit – gerade im Mittelstand, der in meinen Augen sowieso oftmals eher entscheidungsschwach ist. Und durch die Vielzahl an neuen Informationen wird es für viele Organisationen eher schwieriger als einfacher, klare Entscheidungen zu treffen.

Deshalb ist es entscheidend, dass Führungskräfte selbst beginnen, KI aktiv in ihre Entscheidungsprozesse zu integrieren. Das gilt nicht nur im Unternehmen, sondern auch im Alltag – etwa bei der Planung, Organisation oder Informationsbeschaffung.

Wichtig ist vor allem, die eigene Hemmschwelle und Berührungsangst abzubauen und ein Gefühl für den Umgang mit KI zu entwickeln, aus dem Kleinen heraus zum Großen. Nur so wird sie Teil der eigenen Entscheidungs-DNA.

Wenn das nicht passiert, bleibt der Umgang mit KI oberflächlich – und es entsteht eher Unsicherheit als Klarheit.“

Müssen Vorstände KI selbst verstehen oder reicht es, gute Leute zu haben, die es tun?

„Ich denke, die Kern-DNA vieler Unternehmen muss zukünftig ‚AI first‘ sein. Und das bedeutet: Auch Vorstände müssen dieses Verständnis selbst entwickeln. Wenn sie das nicht tun, wird es schwierig, das Unternehmen konsequent in diese Richtung zu führen.“

Welche Rollen und Hierarchieebenen verändern sich durch KI am stärksten?

„Die klassische Rolle von Führung verändert sich grundlegend: Die Führungskraft, die alles weiß, aktiv Wissen reinbringt und mitarbeitet, brauchen wir nicht mehr. Das können KI und spezialisierte Mitarbeitende sehr gut.

Stattdessen brauchen wir heute starke Inspiratoren, Motivatoren, Coaches, Wegbegleiter und mutige Entscheiderinnen und Entscheider.

Man kann das mit einem Fußballtrainer vergleichen: Während des Spiels greift er nur begrenzt ein, aber er stellt die Mannschaft auf, gibt die Richtung vor und schafft die Voraussetzungen für Erfolg.“

Tragen Unternehmen eine Verantwortung dafür, neue Tätigkeiten für Mitarbeitende zu finden, deren Aufgaben durch KI übernommen werden?

„Die zentrale Frage ist: Was ist wirtschaftlich möglich?

Wenn ein Unternehmen wächst, kann es Mitarbeitende auf dem Weg in neue Aufgaben mitnehmen. Wenn jedoch Kostendruck entsteht und neue Wettbewerber den Markt verändern, ist das nicht immer möglich. In solchen Situationen muss man ehrlich sein. Es hilft niemandem, an Strukturen oder Rollen festzuhalten, die langfristig nicht mehr tragfähig sind. Es gibt eine Redewendung aus dem Kaizen-Prinzip besagt: ‚Wir brauchen die richtigen Leute für die richtige Zeit und es ist unsere Verantwortung, sie kommen und gehen zu lassen.‘

Manchmal ist es für Mitarbeitende sogar besser, frühzeitig neue Perspektiven zu entwickeln, auch außerhalb des Unternehmens, die besser zu ihren Skills passen.

Wir sehen: Wenn Unternehmen sich nicht konsequent weiterentwickeln, wird der Wettbewerb es tun. Gerade im internationalen Vergleich sehen wir, dass andere Märkte deutlich schneller an Effizienz gewinnen.“

Welche Verantwortung trägt jeder einzelne Mitarbeitende im KI-Wandel?

„In Deutschland gibt es traditionell die Erwartung, dass Unternehmen für Weiterbildung verantwortlich sind.

Ich glaube, in einem so grundlegenden Wandel wie aktuell reicht das nicht mehr aus. Jede und jeder Einzelne ist gefordert, sich aktiv weiterzuentwickeln.

Gerade in der Digitalwirtschaft, aus der ich ja komme, sieht man, dass diejenigen besonders erfolgreich sind, die sich früh und eigenständig mit neuen Technologien auseinandersetzen – unabhängig von formalen Ausbildungswegen.“

Vielen Dank für das Gespräch, Marcus!

Management Suite Screen

Für eine erfolgreiche Unternehmensführung

GuideCom Management Suite

  • Digitales, KI-gestütztes Fundament für eine wirkungsvolle Unternehmenssteuerung
  • Vernetzt Strategie, Planung, Entscheidung und Umsetzung datengestützt in einem System
  • Schafft Transparenz, ermöglicht fundierte Entscheidungen und unterstützt eine aktive Zukunftsgestaltung
Zur Management Suite