3 Fragen an Jörg Bienert zu KI und Führung
Jörg Bienert spricht darüber, wie KI Führungskräfte im Alltag entlasten kann – und wo menschliche Führung unverzichtbar bleibt.
KI im Management: Wo Automatisierung endet – und Führung beginnt | 3 Fragen an Jörg Bienert
Von Sebastian Mallek
Jörg Bienert, stellvertretender Geschäftsführer des KI Bundesverbands, teilt seine Sicht auf den Alltag von Führungskräften im KI-Zeitalter: Wo künstliche Intelligenz echten Freiraum schafft – und warum Empathie, Urteilsvermögen und Entscheidungsstärke auch zukünftig menschlich bleiben müssen.
Herr Bienert, wie unterstützt KI Führungskräfte heute bereits im Arbeitsalltag?
„Ich würde mich wundern, wenn nicht jeder Manager zumindest die grundlegenden Funktionen von KI-Tools nutzt – etwa für Recherche oder Texterstellung.
Wer das nicht tut, ist im Zweifel schon hinter dem Wissensstand seiner eigenen Kinder, die diese Tools in der Schule und im Alltag ganz selbstverständlich einsetzen.
Das ist allerdings nur der erste Schritt. Zwischen dieser grundlegenden Nutzung und einer echten Integration von KI in Entscheidungsprozesse und Arbeitsabläufe auf Managementebene liegt noch ein großer Unterschied.
Diese wirklich produktive Nutzung und Integration von KI sehe ich aktuell in Einzelfällen, insgesamt aber noch viel zu wenig.“
Woran liegt das?
„Ein Grund sind Beharrungskräfte: Was über Jahre oder Jahrzehnte funktioniert hat, lässt sich oft nur schwer loslassen. Gleichzeitig müssen etablierte Unternehmen im Tagesgeschäft bestehen, steigende Regulatorik bewältigen und wirtschaftlich erfolgreich bleiben.
In diesem Umfeld entsteht KI oft nur als weiteres Projekt – neben vielen anderen. Es werden Pilotprojekte gestartet, ohne grundlegende Strukturen oder Prozesse zu verändern. Das wird den disruptiven Kräften der aktuellen Entwicklungen nicht gerecht und ist ein klassisches Beispiel für das Innovator‘s Dilemma: Organisationen optimieren eher das Bestehende, statt das Neue konsequent zu denken. Und das zieht sich oft bis ins Management, das viele Themen parallel steuern muss. Dort dann den Blick über die Gegenwart hinaus zu werfen und sich Zeit für echte KI-Adaption zu nehmen, ist eine große Herausforderung.
Dabei könnte der Nutzen auf Managementebene sehr groß sein, wenn KI konsequent eingesetzt würde.“
Können Sie das bitte näher ausführen? Wo sehen Sie die konkreten Mehrwerte von KI im Management – und wo bleibt der Mensch unverzichtbar?
„KI schafft im Management vor allem dort echten Mehrwert, wo es um die Automatisierung von Routinen und die Verarbeitung großer Informationsmengen geht – etwa bei Recherche, Analyse oder der Aufbereitung von Entscheidungsgrundlagen.
Viele dieser Aufgaben binden heute noch viel Zeit. Wenn sie durch KI unterstützt oder übernommen werden, entsteht Freiraum für bedeutungsvollere Tätigkeiten. Mein Wunsch wäre daher, alles, was keinen Spaß macht – auf gut Deutsch: die nervigen, repetitiven Pflichtaufgaben –, zu automatisieren.
Doch nicht alles lässt sich delegieren. Die Grenzen liegen dort, wo es um Führung im eigentlichen Sinne geht: Empathie, Kommunikation, Verantwortung und das Treffen von Entscheidungen unter Unsicherheit lassen sich nicht vollständig durch KI ersetzen.
Im besten Fall führt der Einsatz von KI dazu, dass Führungskräfte wieder mehr Zeit für echte Gespräche und mutige Entscheidungen haben.“
Vielen Dank für die spannenden Einblicke, Herr Bienert.